Lanzhou – eine positive Überraschung

Den Anfang meiner diesjährigen Chinareise hat die Stadt Lanzhou markiert. Eigentlich nur, weil sie verkehrstechnisch für meine Zwecke gut gelegen war. Die Geschichten, die ich bislang gehört hatte waren nicht sehr vielversprechend. Lanzhous Luft sei extrem verschmutzt und die Stadt nicht sehr sehenswert. Als ich in der Drei-Millionen-Metropole am Mittellauf des gelben Flusses „Huang He“ weilte, wurde ich aber eines Besseren belehrt. Zumindest während meiner Anwesenheit war die Luft gut und am ersten Tag gab es sogar schönen blauen Himmel zu bewundern. Und auch sonst war die Stadt durchaus angenehm. Aber mal der Reihe nach…

Lanzhous Flughafen liegt reichlich weit vor den Toren der Stadt, aber die rund 70 Kilometer sind für etwas mehr als drei Euro gut mit dem Flughafenbus zu schaffen. Dank der Landschaft mit den terrassierten Bergen ist die Fahrt zudem recht kurzweilig.

Lanzhou selbst ist von ebensolchen Bergen umgeben. Davon aber abgesehen unterscheidet sich die Stadt architektonisch nicht von anderen Großstädten Chinas. Ungewöhnlich ist jedoch eine sehr entspannte Atmosphäre. Besonders wenn man im Park am Gelben Fluss spazieren geht, kann man jede Hektik abstreifen. Am besten geht das mit einem kleinen Grill-Imbiss und einem kalten lokalen Bier. Einen solchen Grill-Imbiss (ohne Bier) hatte ich übrigens für umgerechnet rund 50 Cent. Eine äußerst leckerer und billiger Einstieg in meinen Urlaub.

Lanzhous Stadtzentrum

Lanzhous Stadtzentrum

Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt, den „Weiße Pagode Hügel“, habe ich am nächsten Tag bewusst nicht besucht, weil ich mich lieber sportlich betätigen wollte. Daher ging ich am Morgen zu Fuß zum Wuquan Berg. Der Weg führte mich an einem großen zentralen Platz vorbei, auf dem Rentner und Hausfrauen in zahlreichen Gruppen Morgensport betrieben und gemeinsam tanzten oder Taiji übten.

Der Wuquan Shan Park wird zurzeit neu gestaltet. Die Wege auf den Berg waren jedoch schon begehbar und wurden (leider) auch schon überall mit Popmusik beschallt. Nach dem sehr steilen und anstrengenden Aufstieg kann man auf dem Bergkamm aber der Musik entfliehen und z.B. in einem ruhigen Teehaus etwas ausruhen. Die Aussicht von hier oben ist grandios. Mehr als 300 Meter über dem Stadt-Niveau kann man einen großen Teil Lanzhous überblicken – oder wenn man auf die rückwärtige Seite des Bergkamms schaut, terrassierte Berge anschauen.

Die Menschen in Lanzhou erschienen mir freundlich, niemand hat versucht, mir zu viel Geld abzunehmen und das Preisniveau ist für eine Großstadt sehr, sehr niedrig. Leider ist auch die Dichte an Supermärkten oder Convenient-Stores irgendwie sehr niedrig, so dass sich die Suche nach Proviant für meine Weiterfahrt per Bahn als erstaunlich schwierig erwies…

Natürlich wird Lanzhou selbst nie ein Grund sein, um nach China zu reisen, aber als Durchgangsstation in Richtung Seidenstraße, Tibet oder Qinghai eignet sich die Stadt ganz prima.

2 Gedanken zu „Lanzhou – eine positive Überraschung

    • Nein, dass würde einem definitiv nicht passieren. Solch extrem strengen Gesetze klingen sehr nach Singapur. Also noch eine ganze Ecke von China entfernt 😉

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