Gemeinsam sind wir stark – Die Fitness chinesischer Senioren

Wenn ich mir Deutschlands alte Menschen anschaue, die zwar lieber Senioren genannt werden möchten, aber natürlich tatsächlich alt sind, auch wenn das weniger schön klingt, sind natürlich einige sportliche Menschen darunter. Der größere Teil erscheint mir jedoch trotz Seniorenschwimmen, Seniorengymnastik oder dem unsäglichen „Nordic Walking“ eher gebrechlich. Wenn ich mir anschaue, wie viele alte Menschen äußerst mühsam durch oder über die Straßen gehen, überkommt mich nicht nur Angst vor dem eigenen Alter, sondern oft auch die Frage, warum ich in China viel seltener solche Zeugnisse des körperlichen Verfalls gesehen habe. Natürlich habe ich alte Menschen gesehen, denn diese werden ja schließlich nicht eingesperrt, aber die meisten schienen irgendwie noch besser auf den Beinen zu sein als ihre deutschen Rentnerkollegen. Da stellt man sich irgendwann die Frage, warum das so sein könnte.

Senioren Fitness

Ein Tänzchen

Theorie Nummer eins: Die Ernährung ist gesünder. Diese Möglichkeit möchte ich gleich mit dem Verweis auf die oft sehr öligen Speisen und vor allem darauf zurückweisen, dass die Menschen, die heute in China im Rentenalter sind, mehrere Jahrzehnte durchgemacht haben, die oft genug von Hungersnöten geprägt waren. Und außerdem bin ich Sinologe und kein Ernährungswissenschaftler, habe daher also keine Ahnung, in wie weit, diese Theorie Unfug ist, oder stimmen könnte.

Theorie Nummer zwei: weniger Alkohol, mehr grüner Tee. Sie haben natürlich recht, wenn Sie jetzt sagen, Trinken gehöre zur Ernährung, aber ich möchte es dennoch getrennt behandeln, denn hier scheint tatsächlich ein Grund für die bessere Fitness chinesischer Senioren zu liegen. Zwar is es war, dass sich auch viele Chinesen gelegentlich mal ganz gehörig einen hinter die Binde kippen, aber die durchschnittliche Menge an Bier, Wein und Spirituosen, die Chinesen jedes Jahr pro Kopf konsumieren, dürfte erheblich niedriger liegen als in Deutschland. Hinzu kommt das regelmäßige Trinken grünen Tees in beachtlichen Mengen. Die positive Wirkung dieses Getränkes auf viele Aspekte der Gesundheit scheint unbestritten. Aber auch die Trinkgewohnheiten können nicht alles sein. Komme ich also zur vielversprechendsten…

...Theorie Nummer drei: mehr Sport. Waren Sie mal an einem frühen Morgen in einem chinesischen Park? Oder wenigstens an einem Grünstreifen am Straßenrand? Ganze Armeen von rüstigen Rentnern üben sich im Taiji, machen Morgengymnastik, Tanzen, spielen Federball und Federfußball oder bewegen sich anderweitig. Dabei fallen mir vor allem zwei Dinge auf: Der Sport spielt sich im Freien an der frischen Luft ab, und er findet gemeinsam statt. Zwar ist Taiji eine Sache, die man vom Prinzip her für sich alleine ausübt, doch die meisten führen die Bewegungsabläufe mehr oder weniger synchron in größeren Gruppen durch, anstatt ganz alleine in einer Ecke des Parks zu üben. Auch gymnastische Übungen und Tänze können in China gerne mehrere Dutzend Teilnehmer umfassen. Die Damen und Herren treffen sich dabei meistens nicht wöchentlich oder wenn sie gerade Lust haben, sondern sind praktisch jeden Tag wieder anzutreffen.Farbenfrohe Senioren FitnessNeben dem sportlichen Aspekt wird bei dieser Art der Beschäftigung auch der soziale Aspekt gefördert. Statt alleine im Wohnzimmer zu hocken, Kreuzworträtsel zu lösen oder Fernsehen zu schauen, fördert der Frühsport auch die Geselligkeit. Ich bin mir sicher, dass Geselligkeit inklusive Klatsch, Tratsch, Zank und gemeinsamen Lachen eine ganze Menge zum Wohlbefinden der Menschen beitragen kann.

Natürlich verallgemeinere ich. Natürlich schauen sich auch chinesische Senioren Seifenopern im Fernsehen an. Natürlich wird es auch Stubenhocker und/oder gebrechliche Menschen geben. Aber die Tendenz scheint mir dennoch deutlich.

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