China – das Land der langen Unterwäsche

In Deutschland gibt es kaum etwas, das als weniger sexy gilt, als eine lange, warme Unterhose. Wir frieren lieber, als dass wir uns in einen derartigen Liebestöter wagen würden. Auch ein Jahrhundertwinter wie der letzte macht da keine Ausnahme. Obwohl wir uns sicherlich insgeheim manchmal doch etwas Thermowäsche gewünscht hätten. Die Chinesen denken da wesentlich praktischer. Lange Hosen unter der eigentlichen Hose sind Standard. Und das bis in Jahreszeiten, in denen die Deutschen schon an kurze Röcke denken…In einem chinesischen Forum gab es jüngst eine Diskussion, ob die Deutschen weniger kälteempfindlich seien, als die Chinesen. Praktisch alle Nutzer glauben an diese These. Kein Wunder, denn Deutsche neigen ja wirklich dazu, schon beim ersten Sonnenstrahl im T-Shirt im Eiscafé zu sitzen oder im kurzen Röckchen anderen Passanten den Kopf zu verdrehen. Und auch im Winter geht Optik oft vor Vernuft.

Chinesen tragen hingegen gerne extrem viele Lagen übereinander. Dabei kann die oberste Lage gerne ein dick gefütterter, fast bodenlanger Mantel sein. Da die meisten Chinesen sehr schlank sind, fällt das dicke Zwiebelprinzip dennoch nicht allzu sehr auf.

Gut möglich, dass dieser grundlegende Unterschied in der Kleidungsphilosophie folgenden Ursprung hat: Unsere Wohnungen, fast alle öffentlichen Verkehrsmittel, die Geschäfte, unsere Autos und die Büros sind stets gut beheizt. Die Zeit, die wir tatsächlich an sehr kalten Orten (also im Freien) verbringen, ist also eher kurz. In China hingegen sind von den aufgezählten Orten die meisten im Winter nicht warm, sondern liegen bestenfalls knapp über Außentemperatur. Selbst bei Wohnungen kann das aus vielen Gründen der Fall sein (keine Heizung, oder eine wegen Regierungsvorgaben nicht arbeitende Heizung). Die Gesamtzeit, die Chinesen der Kälte ausgesetzt sind, ist also unter Umständen deutlich höher als die Zeit, in der Sie im Warmen sitzen.

Und dennoch bleibt die Frage, warum viele Chinesen bei Temperaturen, die wir bereits als mild empfinden, immer noch die langen Unterhosen und Extralagen Kleidung tragen. Meine Freundin kam neulich mit einer interessanten Theorie: Während Sommer in Deutschland selten über 25 Grad Celsius haben, wir also unsere schönen Sommersachen spätestens ab 20 Grad tragen müssen, wenn wir sie überhaupt mal tragen wollen, haben die Chinesen locker die Chance auf weit über 30 Grad. Wenn sie bei 20 Grad schon Sommerkleidung anhaben, was sollten sie denn dann bei 30 Grad noch ausziehen?

2 Gedanken zu „China – das Land der langen Unterwäsche

  1. Hmm…

    Frieren Chinesen tatsächlich stärker? Also alle?
    Oder sind es nur die Damen? Dann würde ich es verstehen 🙂

    Mir ist auch ständig kalt und den Zwiebel-Look praktiziere ich ebenfalls. (Ist sehr zu empfehlen!)
    Lange Unterhosen finde ich allerdings wenig sexy – und ich trage sie auch nicht.

    Eigentlich kann dieser Beitrag nur von einem Mann geschrieben worden sein…
    😉

  2. ja, die Theorie war gut. Wenn die Chinesen weit auszieht, dann machen alle Deutsch Urlaub in China. Es gibt mehr zu sehen.
    Es ist wieder ein Frage von Kosten, je wenige die Kleidung den Stoff hat, desto es mehr kosten. Es kann nicht jede schaffen.

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