Umweltbewusstsein – erste Schritte auf einem langen Weg.

Der Osterbek-Kanal in Hamburg ist heute nicht nur ein beliebtes Ziel, um dort mit Kanus, Tretbooten oder einem Alsterdampfer entlang zu schippern. An seinen Ufern zu wohnen, ist heute sicherlich eine Freude. Das Wasser ist sauber und keiner muss sich (wenn er denn schwimmen kann) Sorgen machen, eine komische Krankheit zu bekommen, wenn er aus dem Boot fällt.

Jetzt denken Sie: Was hat der Osterbek-Kanal mit China zu tun? Indirekt eine ganze Menge! Denn der Osterbek-Kanal war nicht immer so reizvoll, teilweise gar idyllisch. Es gab einmal eine Zeit, in der dieser Wasserlauf ein totes, schwarzes und stinkendes Gewässer war. Zahllose Industriebetriebe säumten die Ufer. Darunter Gummi-Fabriken (heute „Museum der Arbeit“) oder Kran-Fabriken („Kampnagel“). Nach dem zweiten Weltkrieg kam allmählich das Aus für fast alle Industriebetriebe am Kanal. Sie wanderten ins Umland ab, nachdem der Osterbekkanal als Transportweg nicht mehr zeitgemäß war. Allmählich wurde auch der Kanal wieder sauber und zu dem, was er heute ist.

In China sind heute ganz viele Gewässer dort, wo der Osterbekkanal vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert war: Sie sind praktisch tot, weil Sie der Industrie zu dienen haben – und weil Abwässer jeder Art ungeklärt hineingeleitet werden.

Wenn man heute in Deutschland also mit dem Zeigefinger auf China zeigt und den mangelnden Umweltschutz kritisiert, sollte man sich erst einmal überlegen, dass auch Deutschland erst in der postindustriellen Zeit, ernsthaft mit dem Uweltschutz begann. China steckt bei der Industrialisierung aber noch in den Anfängen. Und damit leider auch das Bewusstsein für den Umweltschutz.

Natürlich könnte China klüger sein, als wir Europäer seinerzeit. Die Fehler von uns mit den entsprechenden Folgen hätte man schließlich vor Augen haben können. Aber wer erst einmal 1,3 Milliarden Menschen aus größtenteils ärmlichen Verhältnissen in einen gewissen Wohlstand bringen will und dabei noch zum Ziel hat, soziale Unruhen mögichst zu vermeiden, hat wohl andere Sorgen als den Umweltschutz.

Es ist aber nicht so, als würde die chinesische Regierung nicht erkennen, das etwas getan werden muss. Im Gegenteil: Schon lange müssen neu zugelassene Pkw in China bei den Abgaswerten Euro-Normen erfüllen. Seit einiger Zeit dürfen Geschäfte nicht mehr kostenlos Plastiktüten verteilen. Es entstehen riesige Windparks für saubere Energie. Und das sind nur wenige der Maßnahmen. Tatsache ist aber auch, dass vieles, was die Regierung gerne hätte, bislang weder in den Köpfen der Menschen angekommen ist, noch von den lokalen Behörden umgesetzt wird.

Doch wie lange hat es in Deutschland gedauert, bis ein gewisses Umweltbewusstsein wenigstens bei einem Teil der Bevölkerung angekommen ist? Jahrzehnte! Und wenn ich mir anschaue, wie viele Deutsche immer noch PS-Monster mit hohem CO2 Ausstoß kaufen und damit über die Autobahn brettern, wie viele Menschen mit dem Auto zum Bäcker fahren, Plastikmüll einfach in die Natur werfen oder ähnliche Verbrechen wider die Natur begehen, dann frage ich mich, ob wir wirklich mit dem Zeigefinger auf China zeigen sollten.

Die Antwort ist: Jein. Wir sollten China helfen, auf den richtigen Weg zu kommen. Aber Überheblichkeit dabei ist sicherlich fehl am Platz.

2 Gedanken zu „Umweltbewusstsein – erste Schritte auf einem langen Weg.

  1. Lieber Timur und 你好,

    dein Artikel zur Situation in China spricht mir aus dem Herzen!
    Es dauert so ewig bis die Menschen aus ihren eigenen Fehlern lernen und viel zu viele tun es nie. Zumal „die Deutschen“ super sind mit dem Zeigefinger auf andere Nationen zu zeigen, doch ihren eigenen SUV, den ALDIkauf und den CO2-Supergau des für 10 Tage in den Urlaubfliegens möchte sich hier keiner madig reden lassen…
    Es ist schon faszinierend, wie mensch gerne die Verfehlungen anderer als viel schlimmer ansieht, als die eigenen. Das bedeutet nicht, dass China nicht kritisiert werden darf, doch Dein Schlusssatz trifft es sehr schön auf den Punkt. Helfen um besser zu sein als der Westen bzw. um nicht die gleichen Fehler zu machen wie hier. Doch hat „der Westen“ nicht leider ein viel zu großes Interesse daran, dass es anderen nicht besser geht, als ihm selber?
    Zum Glück gibt es überall auf der Welt Menschen, die anders sind und denken als der Großteil seiner Mitmenschen – sie sind Inspiration, Vorbild und VorkämpferInnen für eine bessere Zukunft.
    Vielen Dank für diesen ausgewogenen Blick auf China.

    Beste Grüße
    Hilke Lüders

    • Liebe Frau Lüders,

      hezrlichen Dank für Ihre Worte! Timur arbeitet leider nicht mehr für uns. Deshalb antworte ich. Seit dem Artikel von Timur ist einige Zeit vergangen. In China tut sich sehr viel und es ist sehr spannend, diese Entwicklungen miterleben zu können.
      Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Spaß beim Lesen unseres Blog.
      Beste Grüße
      Marthe

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