Entdeckungen entlang der Seidenstraße: Die Yungang-Grotten

In China gibt es eine große Anzahl von Tausend-Buddha-Höhlen. Diese Anlagen liegen wie Perlen an einer Schnur aufgereiht von West nach Ost und zeichnen den Weg, den der Buddhismus genommen hat, nach. Entlang der berühmten Seidenstraße, die übrigens kürzlich zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde, verbreitete sich die Lehre des Buddha, verwandelte sich und entwickelte sich zu dem heute in China überwiegend ausgeprägten Chan-Buddhismus. Auch die Yungang-Grotten sind seit 2001 Weltkulturerbe.

Yungang-Grotten

Schon vor 2000 Jahren begannen fromme Mönche in Nordindien damit, in steile Felswände Reliefs und und Höhlen zu graben. Sie taten dies, um Verdienste für eine bessere Wiedergeburt zu sammeln und um den einfachen Menschen die Lehre Buddhas nahe zu bringen. Manch ein Relief oder Fresco erzählt Geschichten aus dem Leben Buddhas oder buddhistischer Heiliger. Berühmte Tausend-Buddha-Grotten findet man in Kizil, Beziklik und Dunhuang (die ältesten ganz im Westen Chinas) und bei Luoyang, die Longmen-Grotten, und eben bei Datong in der Provinz Shanxi. Sie alle sind wichtig für das Verständnis der Geschichte Chinas. Viele China-Rundreisen führen auch zu diesen Tausend-Buddha-Höhlen.

Die Tausend-Buddha-Grotten, die man auf einer Reise durch das klassische China und zu der Wiege der chinesischen Kultur unbedingt besucht haben sollte, sind die Yungang-Grotten. In Yungang, dem Wolkengrat, kann man besonders schön sehen, wie überzeugend und eindrucksvoll solche Skulpturen-Wände sind. In diesem Gebiet am Wuzhou Berg, das auf den ersten Blick karg und rau wirkt, erhebt sich die Felswand rund 12 Kilometer von Datong. Riesige Buddhas schauen ernst auf den Besucher. Einst waren die meisten tief in ihren Höhlen verborgen. Doch der stetig wehende Wind hat an der Felswand genagt und manche Höhle offen gelegt. Das ist ein stetiger Prozess, dem man schon in alten Zeiten mit hölzernen Vorbauten entgegentrat.

Der Mönch Yan Tao

Wenn man sich den Yungang-Grotten nähert, kann man sich in dieser urtümlichen Landschaft noch die Kamelkarawanen der Seidenstraße vorstellen, die hier eine Pause einlegten. Auch heute kann man das eine oder andere Kamel sehen, das geduldig auf Touristen wartet, die es ein paar Meter trägt. Ja, heute sind die Yungang-Grotten zu einer großen Attraktion geworden, mit einem prächtigen, gepflegten Eingansgbereich und einem schönen Park. Überall sind Bäume gepflanzt und Wege angelegt. In einem Vorhof steht die moderne Statue des Tan Yao, eines Mönches, der im 5. Jahrhundert den Bau einiger der schönsten und größten Höhlen überwachte. Dies war die Blütezeit der Grotten. Wenig später kamen die Bauarbeiten zum Ende, weil nun in Luoyang die Longmen-Grotten (Tipp: Sehr sehenswert!) gebaut wurden.

Die moderne Anlage, im Hintergrund die steile Felswand mit den Tausend-Buddha-Grotten

Hinter der Statue des Tan Yao beginnt der spirituelle Teil der Anlage mit einem langen Säulenweg und einem ausgedehnten Tempel, der von einem Teich umgeben ist. Erst wenn man durch diese Wege durch ist, steht man vor der Felswand. Auf rund einem Kilometer reiht sich Höhle an Höhle. Die ersten, die man sieht, sind von alten Holzbauten geschützt. Im Inneren befinden sich Skulpturen und farbenfrohe Malereien. Doch auch die Holzbauten sollte man sich genau ansehen. Mythische Tiere bevölkern die Holzbalkone und die einfachen Holzkonstruktionen scheinen bis in den Himmel zu reichen. Wenn man langsam weiter geht, gibt es viel zu sehen: Bunte Buddha-Statuen, kleine und große Reliefs. Unsere Empfehlung: immer auch auf die Details achten!

Der Große Buddha ist wohl die eindrucksvollste Statue von Yungang

Schließlich erreicht man die Buddha-Statue, die man als Wahrzeichen für die Yungang-Grotten nehmen kann. Der große sitzende Buddha ist umgeben von kleineren Statuen, in tiefer Meditation schaut er mit einem entspannten Lächeln auf die Touristen und die zahlreichen Gläubigen. Vor dieser Statue ist ein großer Bronzekessel aufgestellt, in dem ständig große und kleine Räucherstäbchen ihren betörenden Duft in den Wind schicken. Menschen knien hier nieder und beten, andere fotografieren. Über allem scheint eine feierliche ruhige Atmosphäre zu liegen.

An dieser Stelle warten meistens Elektrowagen, um den müden China-Reisenden zum Eingang zurückzubringen. Aber es lohnt sich, noch ein wenig weiter zu gehen. Denn nun kommt man zu Statuen und Höhlen, die wenig von Touristen auf ihrer China-Rundreise besucht werden, sozusagen der Teil abseits der Touristenpfade.

Hier werden auf traditionelle Weise Süßigkeiten hergestellt

Zum Abschluss wird man noch durch einige Souvenir-Stände geschleust. Das darf ja nicht fehlen! Neben örtlichem Kunsthandwerk werden auch Bücher und Postkarten angeboten. Zum Probieren gibt es lokale Spezialitäten.

Tipp: Folgende Höhlen sind besonders interessant: Nr. 16, 17, 18, 19 und 20.  Gemäß den Vorschlägen von Tan Yao wurden in den genannten Höhlen die Kaiser Taizu, Taizong, Shizu, Gaozong und Gaozu als Buddha dargestellt. Sie wirken sehr beeindruckend mit ihren Ähnlichkeiten aber auch Unterschieden.

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