Die Reiseleiter in China und das Trinkgeld

Immer wieder werden wir gefragt, wie wir das Thema „Trinkgeld in China“ sehen. Hier mal unsere Antwort dazu.

Bis vor ca. 20 Jahren war Trinkgeld in China nicht üblich, ja sogar verpönt. Auch heute noch kann es passieren, dass das Trinkgeld an Kellner oder Taxifahrer mit Erstaunen oder auch einer leichten Empörung zurück gewiesen wird. Im kommunistischen China galt Trinkgeld geben als eine imperialistische Geste, eine Art, den Unterschied zwischen Geber und Nehmer, zwischen Auftraggeber und Arbeiter zu verdeutlichen. In einer Gesellschaft, in der alle gleich sind, sollte es sowas nicht geben.

unterwegs

Doch mit der größer werdenden Öffnung zum Westen und den vermehrt in China reisenden Touristen aus Europa und Amerika hat man sich zunehmend an das Trinkgeld gewöhnt. Dabei hat es sich vor allem bei den Reiseleitern und Fahrern als Teil des Verdienstes etabliert.

Die Reiseleiter in China erhalten in der Regel ein Grundgehalt. Doch hat es sich wie überall in der Welt auch in China eingebürgert, dass Reiseleiter (und Fahrer) ein Trinkgeld erhalten. Das ist ein Thema, über das es immer auch zu Diskussionen zwischen Reiseteilnehmer und Reiseveranstalter kommt.

Trinkgelder in den Reisepreis einzuschließen, ist problematisch. Ein Grund, warum das bei den meisten Reiseveranstaltern nicht gemacht wird, ist, dass die Abrechnung über die örtlichen Agenturen schwierig ist. Es ist auch nicht auszuschließen, dass auf dem Weg vom Reiseveranstalter über die Agentur bis zum Reiseleiter ein Teil des Geldes irgendwo hängen bleibt. Auch wird von machen Veranstaltern darauf hingewiesen, dass sich der Reisepreis dadurch erhöhen würde und somit ein Wettbewerbsnachteil gegenüber Veranstaltern, die das Trinkgeld nicht einschließen, entstehe.

Der in meinen Augen wichtigste Grund, Trinkgeld direkt und persönlich zu geben, ist es, dass man so individuell die Leistung des Reiseleiters belohnen kann. Ist der Reiseleiter schlecht, mürrisch oder uninformiert, dann gibt man eben nicht so viel. So schafft man Anreize für gute Leistung. Ein guter Reiseleiter kann richtig viel verdienen.

Touristen in Pingyao

Ein weiterer Punkt, den es zu bedenken gilt, ist der Besuch von Restaurants und sog. Verkaufsveranstaltungen. Dort bekommen die Reiseleiter meistens eine kleine Provision. Möchte man auf den Besuch von sog. Freundschaftsläden verzichten, ist das durchaus möglich. Allerdings könnte man mittels Trinkgeld einen kleinen Ausgleich schaffen.

Wir empfehlen bei Induvidualreisen in der Regel für den Reiseleiter pro Tag und Teilnehmer ca. 4,- bis 5,- € (ca. 30 bis 40 RMB), Das Trinkgeld für den Fahrer sollte ungefähr die Häfte betragen. Bei größeren Gruppen kann es auch etwas weniger pro Teilnehmer sein.

Natürlich soll es auch immer so sein, dass dabei die individuelle Leistung des Reiseleiters berücksichtigt wird. Sollte nur ein Transfer gemacht worden sein, dann gibt man weniger. Bei einem ausführlichen Besichtigungsprogramm und persönlichen Tipps des Reiseleiters sollte man das Maximum geben.

Gute Leistung = gutes Trinkgeld
Schlechte Leistung = wenig Trinkgeld

Das gilt auch für Trinkgeld in China

3 Gedanken zu „Die Reiseleiter in China und das Trinkgeld

  1. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, wie peinlich es für beide Seiten ist, wenn ein Trinkgeld nicht angenommen wird. Abgesehen davon halte ich die Trinkgeldvorschläge für reichlich hoch. Bei einer zweiwöchigen Reise erhält der Reiseleiter von mir und meiner Frau 126 Euro, bei 20 Teilnehmern also 1260 Euro Trinkgeld? Absurd.

    • Danke für den Hinweis! Unsere Empfehlungen beziehen sich auf Individualreisende. Das werde ich noch mal deutlicher beschreiben. Nach meinen Recherchen auch bei den Mitbewerbern, wird überall ein Trinkgeld für den Reiseleiter von mindestens 30 RMB empfohlen. Es ist Illusion, wenn man heute noch denkt, dass Trinkgelder in China nicht üblich sind. Aus eigener Erfahrung, durch Nachfragen bei den Kollegen in China und bei meinen Recherchen habe ich gefunden, dass die Empfehlungen zum Teil weit auseinander gehen. Manchmal findet man noch den Hinweis, dass Taxi-Fahrer und Kellner ein Trinkgeld ablehnen. Es ist allerdings so, dass seit Neuem auch die Kofferträger oder die Kellner in den Hotels mit westlichem Standard ein Trinkgeld erwarten. Auch bei den Taxi-Fahrern scheint es sich so zu entwickeln, dass diese (zumindest einige) es gerne sehen, wenn man den zu zahlenden Betrag erhöht.
      Für die Reiseleiter ist das Trinkgeld eine große Motivation. Deshalb sollte man nicht zu geizig sein. Wenn man sich eine nicht ganz billige China-Reise gönnt, ist das Trinkgeld noch ein geringer Teil der Kosten. Und es ist noch lange nicht so extrem wie bei einer USA-Reise. Dass ein Reiseleiter in China ein Trinkgeld ablehnt, habe ich noch nicht erlebt.
      Beste Grüße
      Marthe

      • Nachtrag:
        Habe eben mit einem chinesischen Kollegen gesprochen, der eine Gruppe Chinesen 10 Tage in Skandinavien als Reiselieter begleitet hat. Der sagte, dass chinesische Reiseteilnehmer pro Person/Tag ein Trinkgeld von € 3,- für den Reiseleiter geben.

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