Die Große Mauer – seit 1987 UNESCO Welterbe

Die Große Mauer Chinas ist wohl eines der bekanntesten Bauwerke der Welt. Auch wenn es sich nicht bewahrheitet hat, dass man die Große Mauer vom Weltall aus sehen kann, so beeindrucken die schier endlos scheinenden Befestigungsanlagen jedes Jahr Millionen von Menschen. Heute gehört die Große Mauer zu den 7 Neuen Weltwundern und ist seit 1987 UNESCO Weltkulturerbe. Ein bekanntes chinesisches Sprichwort besagt: „Ein Mann ist erst dann ein Mann, wenn auf der Großen Mauer gewesen ist.“ Auch der Reisende kommt in China an der Großen Mauer nicht vorbei. Es ist das absolute „Must see“ in China!

Große Mauer

Große Mauer

Je nach Messung ist die Große Mauer zwischen 5.000 und 21.196,18 Kilometern lang. Letztere gigantische Zahl erklärt sich dadurch, dass es im Laufe der mehr als zweitausend Jahre, seit mit dem Bau begonnen wurde, immer wieder neue Verzweigungen, neue Verteidigungslinien und neue Reichsgrenzen befestigt wurden, die alle mitgezählt wurden. Die Große Mauer, wie wir sie von den gewaltigen Steinwällen bei Peking her kennen, stammt aus der Ming-Dynastie (1368 – 1644).

Wenn man sich den generellen Verlauf der Mauer von Ost nach West, der nicht immer am nördlichen Rand des Reichs der Mitte lag, betrachtet, kann man erkennen, dass es nicht nur um den Schutz vor den im Norden lebenden kriegerischen Nomaden ging, sondern auch um den Schutz der alten Handelswege entlang der Seidenstraße.

Große wirtschaftliche Interessen veranlassten die chinesischen Kaiser, den Bau in Auftrag zu geben. Immer wieder gaben die Kaiser Unsummen aus, um die Mauer zu erweitern und instand zu halten. Zigtausende Arbeiter starben im Laufe der Jahrhunderte. Unendliche Mythen und Legenden ranken sich um die Große Mauer. Gegen die „Barbaren“ aus dem Norden nutze sie wenig. Im 13. Jahrhundert eroberten die Mongolen China und gründeten die Yuan-Dynastie (1279 – 1368). Auch die Mandschu, die als Fremdherrscher galten, ließen sich von der Großen Mauer nicht stoppen. Sie kamen als Qing-Dynastie (1644 – 1912) in Peking an die Macht.

Die Legende von Meng Jiang Nu
Eine der bekanntesten Legenden ist die von Meng Jiang Nu, die während der Qin-Dynastie (221 v. Chr. – 206 v. Chr.) entstand.

Zu dieser Zeit floh ein junger Mann namens Fan Qi Liang  vor der grausamen Arbeit an der Großen Mauer. In einem Garten traf er auf die junge wunderschöne Meng Jiang Nu, die Tochter eines wohlhabenden Mannes. Bald heirateten sie. Aber ihr gemeinsames Glück war nur von kurzer Dauer. Fan Qi Liang wurde aufgespürt und musste wieder zurück, um an der Großen Mauer schwere Arbeit zu leisten. Meng Jiang Nu wartete einen ganzen Winter lang auf seine Rückkehr. Doch er kam nicht. Also beschloß sie, ihm persönlich warme Kleidung zu bringen, und machte sich auf den beschwerlichen Weg zur Baustelle an der Großen Mauer. Sie fand ihn nirgendwo. Schließlich erzählte man ihr, dass Fan Qi Liang gestorben war und sein Leichnam in die Mauer eingebaut worden war. Meng Jiang Nu weinte und weinte.

Meng Jiang Nu weint so sehr, dass die Mauer bricht. Zeichnung aus der Song-Zeit

Meng Jiang Nu weint so sehr, dass die Mauer bricht. Zeichnung aus der Song-Zeit

Ihr Leid war so groß und der Tränenstrom so gewaltig, dass die Mauer einbrach und die Knochen und Leichen von zahlreichen Männern frei gab. Meng Jiang Nu schnitt sich den Finger auf und ließ ihr Blut so lange auf die Knochen tropfen, bis es genau in einen Toten hineinfloß. Da wusste sie, dies ist ihr Mann Fan Qi Liang. Sie beerdigte ihn ordentlich. Anschließend sprang sie ins Wasser und ertrank.
Man empfand große Ehrfurcht und Bewunderung vor der Frau und ihrer großen LIebe. Die Geschichte wurde wieder udn wieder erzählt und auch dreimal verfilmt. Am östlichen Ende der Großen Mauer bei Shanhaiguan gibt es einen Tempel, in dem Meng JIang Nu noch heute verehrt wird.

Wie sollte die Große Mauer helfen, das ausgedehnte Reich der Mitte zu schützen? Die wichtigsten Bauwerke entlang der Mauer waren die Wachtürme, die in regelmäßigen, kurzen Abständen die Mauer verstärken. Hier waren die Soldaten-Einheiten stationiert, die auf der breiten Mauer schnell zu Krisenherden bewegt werden konnten. Doch am wichtigsten war die Funktion der Türme als Meldestationen. War irgendwo eine Bedrohung des Reichs bekannt geworden, so wurde dies per Feuer und anderer Signale von Turm zu Turm weitergegeben. Diese Meldungen erreichten auf diese Weise in wenigen Tagen Peking, auch vom äußersten Westen aus. Im Schatten der Großen Mauer konnten die Karawanen in Ruhe entlang der Seidenstraße ziehen und in Forts lagern.

Die Große Mauer ist heute nur an wenigen Stellen gut erhalten. Doch die chinesische Regierung lässt weite Strecken renovieren. Im Norden Pekings gibt es rund 600 Kilometer der Mauer, die mehr oder weniger einfach zu erklimmen sind. Man kann auf der Mauer wandern und es gibt sogar den alljährlichen Great Wall Marathon. Beliebte Stellen, die touristisch erschlossen sind, sind bei Peking Badaling, Juyongguan, Mutianyu und Jinshanling/Simatai.

Große Mauer bei Badaling

Große Mauer bei Badaling

Im Osten kann man bei Shanhaiguan das Östliche Ende der Mauer bewundern. Dort windet die Mauer sich zunächst spektakulär die Berge hinab, bildet einen Teil der Stadtmauer und endet in einem Fort direkt am Meer. Allerdings hat man weitere Teile der Großen Mauer gefunden, die weiter nördlich an der Bohai-See enden.

Nach Westen hin wird die Mauer mehr und mehr zum Lehmwall, je weiter man sich von Peking entfernt. Dieser Lehm ist sehr witterungsanfällig und deshalb ist die Große Mauer im Westen kaum noch als solche zu erkennen. Hier kann man sich auch gut vorstellen, dass die Mauer nicht so sehr der Verteidigung diente, sondern eher der Nachrichtenverbreitung.

Besonders beeindruckend ist das Fort Jiayuguan, das an der engsten Stelle des Hexi-Korridors liegt. Dies Fort spielte eine große Rolle für den Handel entlang der Seidenstraße. Es ist heute sorgfältig renoviert und sollte bei einer Reise entlang der Seidenstraße unbedingt besucht werden!

Jiayuguan

Große Mauer und Festung bei Jiayuguan

Noch weiter westlich wurde die Große Mauer auf die Meldetürme reduziert. An vielen Stellen entlang der Taklamakan-Wüste kann man noch die sog. Feuertürme sehen. Diese wurden zur Signalvermittlung in regelmäßigen Abständen und in Sichtweite voneinander gebaut.

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