Der Kopf des alten Drachen – wo die Mauer im Meer endet

Eigentlich ist Shanhaiguan eine Stadt, wie Tausende andere in China. Ein paar Altstadtreste, eine leider sehr unansehliche und dreckige Neustadt, ein kleiner Bahnhof… Und eine Stadtmauer. Diese ist auch der Grund, warum Shanhaiguan nicht in der Masse chinesischer Kleinstädte untergeht. Gut oder erhaltene Stadtmauern gibt es in China zwar eine ganze Menge, aber keine andere, bei der die Nordseite der Stadtmauer gleichzeitig ein Teil der Großen Chinesischen Mauer ist! Noch dichter an der Grenze zwischen chinesischer Zivilisation und den gefürchteten „Barbaren“ des Nordens konnten Chinesen seinerzeit eigentlich nicht leben.

Aus irgendeinem Grund heißt dieser Mauerabschnitt „Tian Xia Di Yi Guan“ – der erste Pass unter dem Himmel. Allerdings überwindet die Mauer an dieser Stelle gar keinen Pass. Das tut sie erst ein paar Kilometer weiter vor den Toren der Stadt. Dieser erste Maueranstieg in die Berge ist unbedingt empfehlenswert, denn wer sich weit genug nach oben quält, findet einen völlig unrestaurierten, weitgehend zerfallenen und daher umso spannenderen Mauerbaschnitt vor. Das ganze gepaart mit einer spektakulären Aussicht auf Berge und den flachen Küstenstreifen am Meer.

Von hier aus können Sie auch nach dem alten Drachenkopf „Lao Long Tou“ Ausschau halten. Hinter einer Festungsanlage ragt ein letztes (oder je nach Blickrichtung) das erste Stück der Großen Mauer ein paar Meter in das Meer hinein. Wem so viel Mauer zu viel ist, kann hier auch am Strand entlang zum nahe gelegenen Tempel der Meeresgöttin spazieren, der passender Weise zum Teil auf Stelzen ins Meer hinein gebaut wurde.

Es gibt also doch so manchen Grund, um nach Shanhaiguan zu kommen. Leider gibt es hier noch immer kein einziges vernünftiges Hotel, sondern nur sehr einfache Unterkünfte. Die nächste Großstadt – Qinhuangdao – ist allerdings nur wenige Kilometer entfernt.

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